Unser Stützpunkt war das Prielschutzhaus bei Hinterstoder im Toten Gebirge für eine Woche im Juli 2025. Die Umgebung bietet einige gut gesicherte Mehrseillängenrouten (MSL) und den längsten Klettersteig Österreichs auf den höchsten Gipfel der Gebirgsgruppe, den Großen Priel (2.515 m NN).
Unser Stützpunkt war das Prielschutzhaus bei Hinterstoder im Toten Gebirge für eine Woche im Juli 2025. Die Umgebung bietet einige gut gesicherte Mehrseillängenrouten (MSL) und den längsten Klettersteig Österreichs auf den höchsten Gipfel der Gebirgsgruppe, den Großen Priel (2.515 m NN). Zusätzlich gibt es noch einige vielversprechende Sportkletterrouten im Umfeld der Hütte. Das Tote Gebirge ist flächenmäßig das größte Kalkkarstgebiet Mitteleuropas mit Teilen in der Steiermark und in Oberösterreich. Mit seinem festen Dachsteinkalk bietet es beste Bedingungen für Kletterer.
Der Wetterbericht für die Kletterwoche verhieß nicht viel Gutes. Es sollte viel Regen geben. So brachen wir am Morgen des 20.07. früh auf, um unsere erste gemeinsame MSL - Tour überhaupt zu klettern. Der Zustieg war ziemlich anspruchsvoll. Steil ging es über eine Stunde bergauf, ohne viel Aussicht, denn die Berge waren noch stark wolkenverhangen. Die Route war schnell gefunden. Nach kurzer Pause stiegen wir in „Steh auf Manderl“ (4+, 6 SL, 150 m) ein. Die Kletterei war bis auf den Einstieg und die Schlüsselstelle (Aufsteher), die für 4+ recht schwierig war, sehr schön. Nach kurzer Zeit saßen alle Abläufe und wir kamen gut voran. Nach 2,5 h waren wir oben. Dann wurde über die Route abgeseilt und zügig der Heimweg angegangen. So schafften wir es im Trockenen zurück. Keine 20 Minuten später setzte ergiebiger und anhaltender Regen ein – Glück gehabt!
Für den nächsten Tag war etwas stabileres Wetter vorhergesagt. Also nahmen wir uns den langen „Prielklettersteig“ (Gesamtlänge: 2.130m, 900 Hm, D) vor. Der Weg zum Einstieg glich dem des Vortages, war aber etwas kürzer. Es ging gut voran. Schwere Stellen sind gleich zu Anfang zu überwinden. Dann folgen lange, teils überhängende und ausgesetzte Querungen, danach leichtere Abschnitte. Später eine lange Leiterpassage, z. T. überhängend. Dann wird es leichter. Aber das Ende lässt noch lang auf sich warten. Nach ca. 5 Stunden erreichten wir den Gipfel mit dem riesigen roten Kreuz. Die Besonderheit von diesem Klettersteig war definitiv die große Länge, die ihn sehr fordernd macht. Nach kurzer Rast am Gipfel machten wir uns auf den Rückweg über die Brotfallscharte. Hier hatten wir zeitweise Wolkenlücken mit guter Sicht und konnten das beeindruckende Hochplateau des Gebirgsstocks überblicken.
Für den Mittwoch planten wir unsere Königsetappe. Ziel war der Kressenberg (2.204 m NN) mit der Route „Panoramapfeiler“ (4+, 8 SL, 350 m). Der schon bekannte Zustieg wurde schnaufend wiederholt. Dann bogen wir rechts ab über ein beeindruckendes Karrenfeld und standen lt. Topo vor dem Einstieg. Den konnten wir aber nicht so recht finden. Nach langem Suchen am Wandfuß auf und ab sahen wir dann doch den Einstieg etwas erhöht fast direkt vor unserer Nase. Der Start war mit 4- echt gut zu machen. Aber bei der 4. SL kamen wir ganz schön ins Grübeln. Silvio sollte vorsteigen und empfand schon den Einstieg vom Stand als ziemlich schwierig. Zur Beschreibung „Steiler Riss“ passte es allerdings. Es folgten eine Querung mit Untergriffen und ein wackeliger senkrechter Ausstieg. Tobi hatte in dieser SL an den schwierigen Stellen ganz schön zu kämpfen. Für 4+ zu hart, oder? Die Auflösung folgte sogleich. Tobi stieg die nächste SL vor und entdeckte Bolts in einer einfachen Rinne weiter rechts. Hatten wir uns hier verstiegen? Die nächsten SL passten immerhin zur Beschreibung. Allerdings gab uns der Gipfelbereich nochmals Rätsel auf. Hier war die Wegfindung nicht einfach, fehlten doch im leichten Gelände die Bolts. Ein zunächst irreführender, aber durchaus sinnvoller Standplatz, der im Topo fehlte kostete nochmals Zeit. Schlussendlich haben wir den Gipfel erreicht und waren froh. Denn auch der Rückweg mit längerem Abstieg
und 4x Abseilen brauchte einiges an Zeit. Immerhin war der Wettergott gnädig. Die meiste Zeit waren wir von Wolken umringt und beim Abseilen gab es kurzen Niesel, dichten Nebel und Donner aus der Ferne, aber echten Regen hatten wir zum Glück nicht auszuhalten. Nach gut 12 h kamen wir wieder in der Hütte an und konnten uns endlich stärken.
Die nächsten beiden Tage waren verregneter. Am Donnerstag kletterten wir „Schöne Schutzhauszeit“ (5, 4 SL, 90 m). Vor der letzten Seillänge zogen wir uns hier aber schon zurück, weil Regen einsetzte. Der restliche Tag konnte zum Ausruhen in der Hütte genutzt werden. Abends unterhielten wir uns mit einem „Alten Hasen“ aus der Gegend, der fast alle Kletterrouten kannte. Hier gelangten wir auch zur Aufklärung der schweren SL am Kressenberg. Wir hatten uns wie vermutet verstiegen. Der eigentliche Weg macht einen leichten Rechtsbogen in der vierten SL. Tobi steuerte aber auf einen Standplatz zu, der gut sichtbar gerade vor uns lag. Die nachfolgende schwere SL war dann die letzte des „Gendarmerieweges“ (6-).
Am letzten Klettertag widmeten wir uns ein paar Sportkletterrouten am Süd – Ost - Sporn des großen Priels. Morgens gingen wir wieder den nun bestens bekannten und von uns etwas verfluchten Zustiegsweg an den Felsen. Geklettert wurden „Linker Plattenweg“ (4+, 4), Pick up“ (5) und die Genussroute „Rockfish“ (5). Dann gab es am frühen Nachmittag wieder Regen und das Klettern war vorbei. Nach einem letzten Abend auf der Hütte wanderten wir im strömenden Regen zurück ins Tal. Hier konnten die Regensachen nochmal richtig getestet werden. Mittags startete dann die Fahrt zurück in die Heimat. Insgesamt waren wir doch sehr froh und zufrieden über die Kletterrouten und den Steig, die wir in der Woche geschafft hatten. Trotz einigen Regens.
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